Various - Sinfonie der Sterne - Die 70er Jahre - Polydor, Die Geschichte einer deutschen1
1-CD mit 24-seitigem Booklet, 22 Einzeltitel, Spieldauer 80:23 Minuten. POLYDOR - ein Name ist Legende. Seit den ‘Goldenen Zwanzigern‘ drehen sich Schellacks, später Vinyl und Compact Discs unter dieser Weltmarke, anfangs mit verschiedenenfarbigen Labels, seit Beginn der 50er Jahre mit dem unverwechselbaren Orange-Label und den kleinen Sternchen oder mit dem seit 1963 eingeführten Polydor-Rot. Die siebziger Jahre Die Haare werden immer länger, der Drogenkonsum steigt. Der gesellschaftliche Umbruch, ausgelöst durch die (68er Generation‘, manifestiert sich. Seit dem Amtsantritt des 1969 gewählten Bundeskanzlers Willy Brandt scheint sich die Republik verändert zu haben. Es wird ‘mehr Demokratie gewagt‘, der Fortschrittsgedanke beseelt die Menschen. Es gibt Experimente in allen Richtungen, auch musikalischer Art. Neben dem konventionellen Schlager treten Krautrock-Gruppen und Liedermacher auf den Plan (und hier und da auch in die LP-Charts). Im Jahr 1970, als die Beatles sich trennen und die Jugend-Idole Janis Joplin und Jimi Hendrix diese Welt für immer verlassen, feiert man in deutschen Landen den 200. Geburtstag Ludwig van Beethovens mit Theaterstücken, Filmen und Büchern über das Musikgenie, die DDR und die BRD bringen Sonderbrief-marken heraus, Herbert von Karajan, Otto Klemperer und Karl Böhm dirigie-ren das Opus des Meisters in dessen Geburtsstadt Bonn, schließlich er-scheint der Spanier Miguel Rios auf der Bildfläche. Er stimmt bei Polydor (auf dem Label Hispavox) mit einer englischsprachigen Pop-Version der Ode an die Freude in den Jubel ein. Beethovens Ode heißt jetzt Song Of Joy und verkauft hierzulande mehr als eine Million Exemplare. Neben Miguel Rios schaffen sich Wencke Myhre, Daliah Lavi, Karel Gott, Chris Roberts, Bata illic und Roy Black Platz in den deutschen Popcharts. Der eine singt fröhlich, dass sein Name Hase sei, der andere träumt davon, einmal um die‘ ganze Welt mit den Taschen voller Geld zu reisen, in weiteren Liedern geht es um ein knallrotes Gummiboot oder um eine gewisse Michaela. Mit Dieter Thomas Hecks Hitparade im ZDF hat der Schlager zwar seit 1969 ein ideales öffentliches Forum für sich erschlossen, doch die Volltreffer werden im Laufe der Siebziger schnell immer seltener. (Eine Ausnahme macht das Volkslied Hoch auf dem gelben Wagen, das der damalige Bundesaußenminister und nachmalige Bundespräsident Walter Scheel 1973/74 auf Polydor zu einem Top-Ten-Hit macht.) Bei der Mehrheit der jetzt Heranwachsenden gilt die deutsche Sprache (und der Schlager) als altmodisch oder gar reaktionär. Die Jugend hört lieber die Musik von Golden Earring, den Rubettes, Slade, Medicine Head, kurz: Musik englisch-sprachiger Provinienz. Erst die Liedermacher können die jugendli-chen Hörer wieder mit der deutschen Sprache versöhnen. Konstantin Wecker, Herman van Veen, Ougenweide, Peter Horton, Ludwig Hirsch und all die anderen Liedermacher, die Polydor unter ihrem Dach versammelt, richten sich eher mit ihren Alben denn mit schnelllebigen Single-Hits an ihre Gemeinde. Gleiches gilt für Orchester-aufnahmen, die allerdings eher Freunde unter Leuten jenseits der 40 finden. Hier ist es der Bandleader James Last, dessen Name in den Jahresauswertungen der Hitlisten immer wieder auf-taucht. James Last kann sich während der 70er Jahre als einer der bestverkaufenden Album-Künstler aller Zeiten etablieren! Ebenfalls sehr erfolgreich ist das Orchester Kurt Edelhagen, das den Einzug der Nationen (so auch einer der LP-Titel) bei den Olympischen Sommer-spielen 1972 in München begleitet. Edelhagens LP ‘Olympia-Parade‘ bringt es bis auf die erste Chartposition und wird zum Soldveredelten‘ Bestseller. Pop-Perlen und Bestseller wie vom Fließband, Singles ebenso wie Alben, bringt ab 1974 im übrigen die schwedische Gruppe ABBA über Polydor in die BRD. Der Siegeszug der vier Skandinavier nimmt im englischen Seebad Brighton seinen Anfang, als die Gruppe mit dem Titel Waterloo den Grand Prix d‘Eurovision gewinnt. ABBAs Nummer-1-Hits Mamma Mia, Fernando, Dancing Queen, Money, Money, Money und Knowing Me, Knowing You bringen den Pop-Ableger der Grammophon -seit 1972 unter dem Dach der deutsch- niederländischen Holding Polytram untergebracht - sicher durch das Jahrzehnt. Hinzu kommen ab 1977 die immensen Erfolge der Balladen-Rockgruppe Barclay James Harvest (BJH). Mit Polydors Hilfe kann die Gruppe bald in der BRD größere ,Erfolge als in ihrer britischen Heimat feiern. Das bekannteste UH -ALbum `Gone To Earth‘ (1977) hält sich über 200 Wochen in den deutschen Verkaufscharts. Ausgehend von Hollywood, schlägt der ganz im Tanz-Beat ehaltene Bee-Gees-Sound-track zu `Saturday Niet Fever‘ (auf dem Label RSO) alle bisherigen Rekorde. Der Film macht nicht nur den Protagonisten John Travolta zum Star, sondern lässt auch hierzulande mit Lichtorgeln und Nebelmaschinen aus-gestattete Discotheken aus dem Boden schießen. 1978/79 ist der Zenit der Disco-Ära in Europa erreicht. Polydors promi...
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