Vierzig Jahre im blauen Rock – vierzig Jahre zwischen Routine und Ausnahmezustand, zwischen Menschlichkeit und Vorschrift, zwischen Hoffnung und Resignation. Karl Brenner legt mit „Die letzte Schicht" ein eindringliches literarisches Zeugnis vor, das weit mehr ist als eine Sammlung von Polizeianekdoten. Im Mittelpunkt steht Werner Holl, der 1984 seinen ersten Tag als junger Polizist antritt – voller Idealismus, mit blankpolierten Schuhen und der naiven Überzeugung, die Welt ein Stück besser machen zu können. An seiner Seite: der erfahrene Hauptmeister Herbert Staubach, nur noch sieben Monate von der Pension entfernt, der dem Neuling zeigen soll, was die Ausbildung nicht lehrt. Was folgt, ist eine berührende Chronik des Polizeialltags über vier Jahrzehnte deutscher Geschichte. Brenner erzählt von den kleinen und großen Momenten des Dienstes: von nächtlichen Einsätzen in trostlosen Plattenbauten, von Verkehrsunfällen, die das Leben in Sekunden verändern, von häuslicher Gewalt hinter bürgerlichen Fassaden, von verzweifelten Menschen in ausweglosen Situationen. Er schreibt über Kollegen, die zu Freunden werden, über das ungeschriebene Gesetz der Kameradschaft, aber auch über Zynismus als Schutzmechanismus und die leisen Risse, die der Dienst in der Seele hinterlässt. Mit präziser Beobachtungsgabe und einer Sprache, die an große Erzähler wie Remarque erinnert, gelingt Brenner ein authentisches Porträt eines Berufsstandes, der selten so ungeschminkt dargestellt wurde. Dabei wahrt er stets den Respekt vor allen Beteiligten – den Polizisten ebenso wie den Menschen, denen sie begegnen. Die Geschichten sind chronologisch angelegt und spiegeln zugleich den gesellschaftlichen Wandel: vom Deutschland der Achtzigerjahre über die Wiedervereinigung bis in die Gegenwart. „Die letzte Schicht" ist keine Heldengeschichte, sondern ein ehrliches, manchmal schmerzhaftes, oft humorvolles und immer menschliches Buch über einen Beruf, der fordert, prägt und verändert.
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