Florentin und Yannick Keller sind seit achtzehn Jahren verheiratet. Sie leben mit ihrer sechzehnjährigen Tochter Emma in einer schönen Altbauwohnung in Köln, führen ein scheinbar stabiles Leben und haben sich mit den Jahren einvernehmlich eingerichtet. Von außen betrachtet wirkt ihre Beziehung harmonisch, verlässlich und unauffällig – genau wie viele langjährige Ehen. Doch als sie beim Aufräumen des Dachbodens auf alte Tagebücher und Notizbücher stoßen, beginnt ihre sorgsam gebaute Welt leise zu bröckeln. Florentin, Gymnasiallehrerin für Deutsch und Geschichte, entdeckt ihre eigenen Einträge aus der Jugend und den ersten gemeinsamen Jahren. Yannick, Fotograf, findet Briefe und Aufzeichnungen, die er längst vergessen hatte. Zuerst lesen beide nur aus Neugier. Doch je tiefer sie in die vergilbten Seiten eintauchen, desto stärker verändert sich ihr Blick auf ihre gemeinsame Geschichte. Alte Zweifel, verdrängte Sehnsüchte, stille Enttäuschungen und die vielen kleinen Selbsttäuschungen kommen ans Licht. Sie erkennen, wie sehr sie sich über die Jahre etwas vorgemacht haben – um den Frieden zu wahren, um den anderen nicht zu verletzen, um das gemeinsame Leben nicht zu gefährden. Plötzlich stehen sie vor der zentralen Frage: Wie gut kennen wir eigentlich den Menschen, mit dem wir unser Leben teilen – und wie gut kennen wir uns selbst? In seinem beeindruckenden Debütroman „Als wir noch ehrlich waren“ erzählt James Vennrich mit großer psychologischer Tiefe, emotionaler Authentizität und ruhiger Intensität von einer Ehe in der stillen Krise. Der Roman erkundet die zerbrechliche Natur von Nähe, die Macht der Erinnerung und den schmerzhaften, aber befreienden Weg zurück zu echter Ehrlichkeit. Ein berührender, hochliterarischer Beziehungs- und Familienroman über Entfremdung und Vergebung, über verpasste Chancen und die Frage, ob man nach all den verlorenen Jahren noch einmal neu beginnen kann. Erschienen im Adlerquell Verlag.
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