Man erinnert sich: Der neue Papst hat in seiner ersten Ansprache die so genannte Künstliche Intelligenz KI eindrücklich als eine der grössten Gefahren für die Menschheit bezeichnet und ausdrücklich vor den Auswirkungen einer unkontrollierten Anwendung gewarnt. Das ist keine zehn Monate her, aber die Aussage Leos XIV. hat seither nur an Bedeutung gewonnen. Das neue Buch von Stefan Frey ist jedoch keine Enzyklika aus Rom aber nach Kurzgeschichten aus Madagaskar der bis heute fünfte Roman aus Olten: Das Ende vom Lesen oder Die Kunst intelligent zu bleiben. Risiken und Nebenwirkungen der KI im Allgemeinen und für die Literatur im Besonderen prägen der Inhalt. Das Buch könnte aktueller nicht sein. Aufhänger ist die seit Jahren grassierende Krimiseuche. Es gibt ja mittlerweile kein Kaff mehr, das nicht sein eigenes Ermittlerteam hat, alle nach dem ausgeleierten Tatort-Prinzip gestrickt. "Wo waren Sie gestern zwischen 20 und 22 Uhr?" Buchhändler entschuldigen sich bereits, wenn sie in ihren Auslagen neben den Lokalkrimis noch ein oder zwei Titel der authentischen Weltliteratur präsentieren. Der durch die Schreibblockade seines besten und einzigen Autors in Not geratene Kleinverleger lässt die erfolgreiche Krimi-Reihe vom Roboter fortschreiben und hat damit Erfolg. Eine frühpensionierte Literaturprofessorin kommt der Sache auf die Schliche. Mit einer jungen Freundin - Frauen- und Kulturbeauftragte der Kleinstadt - und ihrem IT affinen Sohn spannt das Trio schliesslich mit dem leergeschriebenen Autor zusammen. Der Literaturbetrieb mit seinen Tagen und Messen wird aufgeschreckt und aufgemischt. Ein Gratis-Krimi , ein roboro, also ein Roboter-Roman, angesiedelt in der Kryptogeld-Mafia, entlarvt die KI-Gefahr für die authentische Literatur. Und ganz nebenbei entstehen aus der kleinen Verschwörung auch noch zwei zarte Liebesgeschichten. Der Roman ist eine Realsatire auf den Literaturbetrieb und dessen Versuchungen mit der Künstlichen Intelligenz. Schliesslich darf man auch mit todernsten Themen zuweilen Spass machen und haben. Nur nebenbei: Im Moment ist der Austausch von Literaturübersetzern durch Roboter in vollem Gang. Vom Ende des Lesens ist deshalb eine trotzige Liebeserklärung an die authentische Literatur.
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