Die Figur von Hiob, dem Sinnbild des »leidenden Gerechten«, der von Gott geprüft wird und dennoch an seinem Glauben festhält, ist bis heute fixer Bestandteil des kulturellen Gedächtnisses. Der Stoff von Hiob, der nicht nur unheilvolle »Botschaften« erhält, sondern von einem Schicksalsschlag nach dem anderen heimgesucht wird, ist allerdings deutlich älter als die biblische Erzählung. Ähnlichkeiten des biblischen Buches zu anderen altorientalischen Texten legen nahe, dass das Hiob-Motiv bereits seit dem dritten vorchristlichen Jahrtausend kursierte.Somit ist die vertraute Bezeichnung »Das Buch Hiob« in ihrer Singularform höchst trügerisch. Mehrere Sprachwechsel und Jahrtausende der Überlieferung führten unweigerlich zu Fehlern und zu unterschiedlichen Erzählungen. So gibt es, über die Epochen hinweg, zahlreiche »Bücher Hiob«. Hinzu kommen Rekonstruktionsversuche früherer Versionen und laufende Neuschreibungen – schließlich sind viele Autor: innen von Hiob fasziniert, wollen sich an seiner Geschichte abarbeiten, sie um- oder weiterschreiben. Um es mit Wisława Szymborska zu sagen: »Hiob, geprüft an Leib und Gut, verwünscht das Schicksal der Menschen. Große Poesie.«Szymborskas Hiob-Bearbeitung findet sich, neben denen von Hedwig Caspari, Paul Claudel, Simone Weil, H. G. Wells und vielen anderen im vorliegenden Band. Dramen, Gedichte, Monologe, Kommentare, literarische und philosophische Interpretationen bringen uns die »Bücher Hiob« und deren poetische Fruchtbarkeit näher. Nicht immer findet Hiobs Leben dabei ein glückliches; frommes Ende. Manchmal stirbt er im Elend – und manchmal auch gar nicht, weil er nämlich wieder aufersteht. Einige Texte verfolgen politische Absichten, bringen uns zum Schmunzeln oder versetzen Hiob in neue Umgebungen – etwa ins England des 18. Jahrhunderts, oder »in ein riesiges Zirkuszelt, wo eine Art Seitenbude aufgeschlagen ist. (…) Die Stimmung ist die einer menschenleeren Vergnügungsstätte spät nachts. Es ist niemand da, abgesehen vielleicht von einem Bühnenarbeiter; der irgendwo aufräumt und an der Beleuchtung herumspielt.«
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